Fahrsimulator Erfinder:
Dr. Reiner Foerst

* 14. November 1933 in Gummersbach, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
† 02. Februar 2009

Reiner Foerst war ein Erfinder und Ingenieur auf diversen Gebieten der Simulationstheorie.

Er gilt als ein Pionier der frühen Videospieltechnologie im Zusammenhang mit Fahrsimulatoren.

Sein Gesamtkonzept für den ersten kommerziellen Fahrsimulator der Welt meldete er schon 1975 zum Patent an. Der Nürburgring 1 Automat war die Initialzündung zahlreicher Videospielsysteme.

Dr. Reiner Foerst, der Nürburgring-Automat und die frühe Geschichte der Fahrsimulation

Die Geschichte der digitalen Fahrsimulation beginnt nicht in Kalifornien, sondern in Deutschland. Bereits in den frühen 1970er-Jahren entwickelte der Ingenieur Dr. Reiner Foerst Systeme, die das Fahrerlebnis technisch abbilden sollten – lange bevor Arcade-Spiele dieses Prinzip kommerzialisierten. Der später entstandene Nürburgring-Automat markiert dabei die Schnittstelle zwischen industrieller Simulationstechnik und Unterhaltungsautomatik.

Dr. Reiner Foerst studierte Maschinenbau und Elektrotechnik an der Technischen Hochschule Darmstadt. Schon während seiner wissenschaftlichen Tätigkeit beschäftigte er sich intensiv mit Regelungstechnik, Sensorik und der Frage, wie komplexe Bewegungsabläufe realitätsnah simuliert werden können. Aus dieser Arbeit heraus gründete er Anfang der 1970er-Jahre ein eigenes Unternehmen, das sich zunächst auf Fahrsimulatoren für Ausbildung, Forschung und Industrie konzentrierte .

Diese frühen Simulatoren waren technisch anspruchsvoll, nutzten reale Fahrzeugkomponenten und dienten unter anderem der Fahrerschulung sowie der Untersuchung menschlicher Reaktionen in Grenzsituationen. Der hohe Entwicklungs- und Fertigungsaufwand begrenzte jedoch den Absatz. Foerst erkannte früh, dass eine Vereinfachung der Technik notwendig war, um neue Märkte zu erschließen .

Dr. Reiner Foerst (Fotoquelle: IEEE Transactions Journal, Ausgabe Juli 1969)

Einen entscheidenden Impuls erhielt Foerst, als er einen Pong-Automaten von Atari analysierte. Die radikale Reduktion komplexer Vorgänge auf einfache elektronische Logik überzeugte ihn davon, dass auch Fahrsimulation mit vergleichsweise einfacher Hardware darstellbar sein könnte. Ziel war es, das subjektive Fahrerlebnis – nicht die physikalische Perfektion – in den Mittelpunkt zu stellen.

Aus dieser Überlegung entstand 1974/75 der Nürburgring-Automat, ein münzbetriebenes Spielgerät, das erstmals eine realistische Cockpit-Perspektive bot. Der Spieler blickte aus der Fahrerposition auf eine abstrahierte Straße, die durch weiße Leitpfosten, Mittellinien und perspektivische Verschiebungen definiert war. Damit unterschied sich der Automat grundlegend von früheren Rennspielen mit Draufsicht oder statischen Anzeigen

Technisch beruhte der erste Nürburgring-Automat vollständig auf analoger Elektronik. Hunderte diskrete Bauteile erzeugten die Illusion von Geschwindigkeit, Kurvenfahrt und räumlicher Tiefe. 1975 meldete Foerst ein Patent an, das zentrale Aspekte der Straßendarstellung, der perspektivischen Bewegung sowie der Kopplung von Lenkrad- und Pedaleingaben beschrieb.

Die Firmenhistorie zeigt, dass diese Entwicklung nicht als Spielerei gedacht war, sondern als Ableger industrieller Simulationstechnologie. Der Automat stellte eine kostengünstige Demonstrations- und Testplattform dar, mit der sich neue Bedien- und Darstellungskonzepte erproben ließen.

Vom Analogsystem zur CPU-Architektur

Foerst erkannte jedoch früh die Grenzen der analogen Technik. Wartung, Reproduzierbarkeit und Skalierung waren problematisch. Bereits 1976 begann er mit der Umstellung auf digitale Mikroprozessoren, insbesondere den Zilog Z80. Diese Arbeiten fallen zeitlich mit den ersten CPU-basierten Arcade-Systemen in den USA zusammen und belegen, dass Foerst technologisch keineswegs hinterherlief, sondern parallel entwickelte.

Die Firmenhistorie dokumentiert, dass diese Digitalisierungsprojekte durch begrenzte finanzielle Mittel und fehlende industrielle Partner gebremst wurden. Anders als US-Konzerne verfügte das Unternehmen Foerst nicht über die Infrastruktur für Massenproduktion.

Im Herbst 1976 veröffentlichte Atari den Arcade-Automaten Night Driver. Das Spiel nutzte eine CPU-Architektur (MOS 6502) und setzte ebenfalls auf eine nächtliche Fahrdarstellung mit weißen Streckenmarkierungen und Cockpit-Einblendung. Inhaltlich und visuell weist Night Driver deutliche Parallelen zum Nürburgring-Automaten auf.

Die Unterschiede lagen weniger im Konzept als in der industriellen Umsetzung:

  • Atari produzierte in großen Stückzahlen,
  • verfügte über internationale Vertriebsnetze,
  • und positionierte das Spiel offensiv als technische Weltneuheit.

Foerst hingegen konnte seine frühere Entwicklung weder international vermarkten noch effektiv rechtlich durchsetzen. Zwar kam es zu Auseinandersetzungen über die Priorität der Idee, diese blieben jedoch ohne nachhaltige Folgen für den Markt.

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Foerst GmbH Firmenhistorie (Quelle: Foerst GmbH Youtube Kanal)

Historische Einordnung

Aus heutiger Perspektive gilt der Nürburgring-Automat als einer der frühesten realistischen Fahrsimulatoren im Arcade-Bereich. Konzeptionell bildet er die Grundlage für Night Driver und spätere Rennspiele. Die Arbeiten von Dr. Reiner Foerst belegen, dass zentrale Innovationen der Videospielgeschichte außerhalb der großen US-Konzerne entstanden sind – jedoch nicht immer dort kommerzialisiert wurden.

Damit steht die Geschichte Foersts exemplarisch für einen häufigen Verlauf technologischer Innovation: Erfindung, frühe Umsetzung und ideelle Führerschaft auf der einen Seite – Marktdurchsetzung und globale Wahrnehmung auf der anderen

Erfindungen und Entwicklungen

Unternehmerische Kontinuität jenseits des Arcade-Marktes.

Während Atari mit Night Driver kommerziellen Erfolg erzielte, verlagerte Foerst seinen Schwerpunkt wieder stärker auf industrielle Simulation, Messtechnik und Sondermaschinenbau. Die Firmenhistorie zeigt eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Unternehmens über Jahrzehnte hinweg – mit Anwendungen in Fahrzeugtechnik, Industrieautomation und Forschung .

Der Nürburgring-Automat blieb dabei ein technologischer Meilenstein, auch wenn er wirtschaftlich nicht ausgeschöpft wurde. Er markiert den Moment, in dem industrielle Simulation und Videospielkultur erstmals ineinandergriffen

In der Sammlung des Deutschen Videospielmuseums befinden sich:
2x Nürburgring 1 Automat (hellblau) als Standgerät

2x Nürburgring 1 Automat (hellblau) mit Schaltung (ohne Platinen)

1x Nürburgring 1 Formel 1 (rot) Sitzgerät

1x Nürburgring 3 (rot) Standgerät

Quellen und weitere Recherchemöglichkeiten:


Eigenpublikationen:
  1. Homepage von Foerst GmbH mit Firmenhistorie,
    https://www.foerst-simulators.com/
  2. Buch – Foerst GmbH, Firmenhistorie, August 2011
Interviews und Veröffentlichungen / Artikel:
  1. Andrea Contato, „VideoGames Stage 1 – The People, Games, and Companies“, Eigenverlag 2023
Videodokumentationen und Interviews / Bewegtbild:
  1. Video Dokumentation – „Was spielt Deutschland? – Moorhühner, Siedler und Planer“, ZDFInfo, 2017
  2. TV Sendung „Computerzeit“, 1986
  3. TV Sendung „Telespiel“ mit Stargast Bud Spencer, Mai 1981
  4. TV Sendung „Einer wird gewinnen“, 23.10.1982

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